Die Dimensionen menschlichen Handelns sprengen seit Mitte des 20. Jahrhunderts alle vorhergesehenen Grenzen. Das hat Folgen, insbesondere für die Natur und deren Leistungen, die sie der Menschheit bereitstellt. Immer mehr Wissenschaftler sind daher der Auffassung, dass von einem neuen erdgeschichtlichen Zeitalter gesprochen werden müsse, vom Anthropozän, dem Menschen-Zeitalter. Tatsächlich hat sich die Menschheit in bedrohlicher Weise über andere Lebewesen erhoben. So haben sich die Populationen zahlreicher Wirbeltierarten zwischen 1970 und 2012 mehr als halbiert. Lebensräume sind ganz verschwunden oder haben an Qualität verloren. Nicht selten fallen wir Menschen der Naturzerstörung auch selbst zum Opfer. Ohne Einsicht und Veränderungsbereitschaft brechen in den globalisierten Gesellschaften des Anthropozäns ungemütliche Zeiten an. Bereits jetzt hat die Menschheit vier planetare Systemgrenzen überschritten. 2012 brauchte sie Ressourcen und Leistungen von 1,6 Erden auf. Damit ist es an der Zeit, dass wir die Zusammenhänge grundlegend neu verstehen lernen. Zusammenhänge, in denen Entwicklungsstrategien, Wirtschafts- und Geschäftsmodelle sowie Lebensstile gemeinsam betrachtet werden – mit dem Ziel, die Natur in ihrer ganzen Vielfalt und all ihren Funktionen zu erhalten sowie die begrenzten Ressourcen fair zu verteilen. Wir verfügen nur über eine Erde. Und deren Naturkapital ist begrenzt.

Marco Lambertini, Director General, WWF International, discussing the key findings of the 2016 Living Planet Report.

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