Übergang zu einem neuen globalen Wirtschaftssystem

Erhaltung des Naturkapitals

Erhaltung des Naturkapitals

Um das Naturkapital angemessen zu schützen, müssen Ressourcen nachhaltig genutzt und das globale Netz geschützter Gebiete erweitert werden. Ferner sind angemessene Finanzierungsmechanismen für ein wirksames Schutzgebietsmanagement erforderlich.

Eine Politik der gerechten Ressourcenverteilung

Eine Politik der gerechten Ressourcenverteilung

Rechtliche und politische Rahmenbedingungen müssen einen gerechten Zugang zu Nahrungsmitteln, Wasser und Energie sowie die nachhaltige Nutzung von Land- und Meeresgebieten fördern. Dafür ist auch eine erweiterte Definition von Wohlstand und Erfolg wichtig, die die Gesundheit von Individuen, der Gesellschaft und der Umwelt einbezieht. Bei politischen Entscheidungen sollten
künftige Generationen genauso berücksichtigt werden wie der funktionelle Wert der Natur.

Umlenkung von Finanzströmen

Umlenkung von Finanzströmen

Auf Nachhaltigkeit ausgelegte Finanzströme, die die Bewahrung der Ökosysteme und ihr nachhaltiges Management unterstützen, sind Voraussetzung für den Erhalt des Naturkapitals und eine nachhaltige Wirtschaftsweise. Dennoch investieren viele Finanzinstitute weiterhin in schädliche und nicht nachhaltige Bereiche wie Bergbau, umweltschädliche Landwirtschaft und Ölförderung.

Effizientere Produktion und vernünftigerer Konsum

Effizientere Produktion und vernünftigerer Konsum

Effizienter zu produzieren und vernünftiger zu konsumieren ist zentral für den Aufbau einer nachhaltigen Wirtschaft. Nachhaltiges Ressourcenmanagement und die Einbeziehung der tatsächlichen Kosten in die Wertschöpfungskette sind die eindeutig klügeren Entscheidungen.

Transformation der Energie- und Nahrungsmittelsysteme

Transformation der Energie- und Nahrungsmittelsysteme

Eine Neuausrichtung hin zu Nachhaltigkeit setzt grundlegende Änderungen in den Bereichen Energie und Nahrungsmittel voraus.
Die derzeitigen Strukturen und Verhaltensweisen in diesen Systemen haben enorme Auswirkungen auf die biologische Vielfalt, die Widerstandsfähigkeit der Ökosysteme und den menschlichen Wohlstand.

Auf dem Weg hin zu erneuerbaren Energiequellen

Auf dem Weg hin zu erneuerbaren Energiequellen

Die Verbrennung fossiler Brennstoffe ist die Hauptursache des vom Menschen verursachten Klimawandels. Die meisten fossilen Brennstoffe sollten besser im Boden verbleiben. Erfreulicherweise werden erneuerbare Energien zunehmend wettbewerbsfähig. Der globale Übergang hin zur Nutzung erneuerbarer Energiequellen wie Windund Solarenergie bleibt eine immense Aufgabe. Jedoch haben sich viele Staaten bereits verpflichtet, ihre Versorgungssysteme umzustellen, die noch auf herkömmlichen Energieträgern beruhen.

Problemlösungen in einer komplexen Welt

Der Versuch, menschliche Systeme zu verändern, setzt die Kenntnis darüber voraus, wie Entscheidungen getroffen werden, die Umwelt, Ökosysteme und Gesellschaften schädigen. Jeden Tag wird unzählige Male entschieden und gehandelt, was sich sichtbar und unsichtbar auf unsere Gesellschaft und das System Erde auswirkt. Verglichen mit der Komplexität unserer Probleme ist das, was uns zu deren Beseitigung einfällt, häufig zu simpel.

Systemdenken hilft, wichtige Fragen richtig zu stellen. Dabei werden komplexe Probleme Ebene für Ebene untersucht, um die Verbindungen zwischen den Ebenen zu analysieren. Ein im Systemdenken häufig angewandtes Instrument ist das Modell „Denken auf vier Ebenen“.

Denkebenen

Die Ereignisse auf höchster Ebene stellen als Phänomene die „Spitze des Eisbergs“ dar. Da diese Ereignisse greifbarer, sichtbarer Natur sind, beziehen sich die meisten politischen Diskussionen und Problemlösungen auf diese Ebene. Wenn wir uns mit Ereignissen befassen, dann befassen wir uns lediglich mit den Symptomen, nicht mit den Ursachen eines Problems.

Die zweite Denkebene betrifft die Muster, die sich abzeichnen, wenn Ereignisse wiederholt auftreten und wiedererkennbares Verhalten oder Ergebnisse bilden. Ein einzelnes Ereignis kann beispielsweise die Entscheidung für den Kauf eines Produkts im Supermarkt sein. Nur wenn wir mehrere solcher Ereignisse gruppiert und auf einer Zeitachse angeordnet betrachten, können wir die Muster erkennen, die sich aus den Kaufentscheidungen vieler Einzelpersonen im Supermarkt abzeichnen.

Die dritte Ebene zeigt systemische Strukturen, die ihrem Wesen nach politisch, gesellschaftlich, biophysikalisch oder wirtschaftlich sind und die die Verhaltensweisen und Interaktionen der Beteiligten im System beeinflussen. Erst auf dieser Ebene beginnt das echte Verstehen von Zusammenhängen zwischen Ereignissen und Akteuren im System. Zu diesen systemischen Strukturen gehört auch unser vorherrschendes globales Wirtschaftsmodell.

Die vierte, tiefste Ebene repräsentiert die Denkmodelle, die unsere Überzeugungen, Werte und Annahmen widerspiegeln. Denkmodelle, die sich je nach Kultur unterscheiden, werden in politischen Entscheidungen kaum berücksichtigt. Jedoch wirken sich Glaubenssätze – „wir müssen reicher werden, um glücklich zu sein“, „Menschen sind arm, weil sie nicht hart genug arbeiten“ – sehr deutlich auf alle übrigen Ebenen aus. Denkmodelle beeinflussen die Ausgestaltung von Systemstrukturen, die Richtlinien und Anreize, die das Verhalten und letztendlich die einzelnen Ereignisse steuern, die wir im Alltag leben.

Kluge Lösungen

Eine ökologisch intakte Erde für Mensch und Natur

Im 21. Jahrhundert steht die Menschheit vor einer doppelten Herausforderung: die Natur zu bewahren und den Menschen ein würdevolles Zuhause auf einer Erde zu ermöglichen, deren Ressourcen endlich sind. Die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung verknüpfen die wirtschaftliche, gesellschaftliche und ökologische Dimension, die für den Fortbestand des menschlichen Lebens im Anthropozän notwendig ist. Diese Dimensionen stehen in Wechselwirkung zueinander und erfordern daher eine integrierte Herangehensweise. Ausserdem muss ein grundlegendes Verständnis dieser Zusammenhänge in Entwicklungsstrategien,
Wirtschaftsmodelle, Unternehmensleitbilder und Verbraucherentscheidungen einfliessen. Wir haben nur eine Erde und deren Naturkapital ist begrenzt.

Die auf die gesamte Erde gerichtete Perspektive des WWF (One Planet Perspective) skizziert, was der WWF unter „besseren politischen Entscheidungen“ versteht und wie die Nutzung und faire Verteilung der Ressourcen innerhalb ökologischer Grenzen möglich wird. Die Anwendung dieser Perspektive hilft den Staaten, die ihnen aufgetragenen Nachhaltigkeitsziele zu erfüllen, indem Privatinitiative, unternehmerisches Handeln und Regierungspolitik in Einklang gebracht werden, um eine nachhaltige Weltgesellschaft zu schaffen.

Die One Planet Perspektive fordert Unternehmen heraus, ihre Tätigkeiten so auszurichten, dass sie zum Wohle künftiger Generationen aktiv zur ökologischen Gesundheit der Erde beitragen. Von geringfügigen Justierungen allein, bei denen bloss die Effizienz der Ressourcennutzung steigt oder die Umweltverschmutzung sinkt durch „Lösungen am Ende der Verschmutzungskette“ („end-of-pipe technology“), dürfen wir keine hinreichenden Veränderungen erhoffen. Die Überlegung hinter dem Motto „Entscheide dich besser“ („Making better Choices“) besteht darin, eine Situation herbeizuführen, in der Nahrungsmittel, Energie und
Wasser allen Menschen gleichermassen zur Verfügung stehen, die biologische Vielfalt erhalten bleibt und die Ökosysteme intakt und widerstandsfähig bleiben. Denn widerstandsfähige Ökosysteme können menschengemachte Störungen verkraften, ohne ihre Funktionen und Leistungen einzubüssen.

Laden Sie den Living Planet Report 2016 als PDF herunter.