Ökosystemleistungen – was Natur und Mensch verbindet

Die Zerstörung von Ökosystemen bedroht nicht nur den Lebensraum von Pflanzen und Tieren, sondern auch uns Menschen. Die Ökosysteme versorgen uns mit Nahrung, frischem Wasser, sauberer Luft und Energie. Sie geben uns Arznei und Möglichkeiten zur Erholung. Gesunde, vielfältige ökologische Systeme sorgen für die Regulierung und Reinigung von Wasser und Luft, für adäquate Klimabedingungen, für Samenausbreitung und Bestäubung sowie für Eindämmung von Schädlingen und Krankheiten.

Der verfügbare Bestand an erneuerbaren und nicht erneuerbaren natürlichen Ressourcen, die menschliches Leben ermöglichen (zum Beispiel Pflanzen, Tiere, Luft, Wasser, Böden, Mineralien), wird als Naturkapital bezeichnet. Menschen überall auf der Erde nutzen die Erträge des Naturkapitals, die man Ökosystemleistungen nennt. Das Naturkapital hat sich so entwickelt, dass es sich selbst erhält. Jedoch vernichtet die steigende menschliche Inanspruchnahme das Naturkapital schneller, als es sich reproduzieren kann – beispielweise durch Umwandlung natürlicher Lebensräume in landwirtschaftlich genutzte Flächen, Überfischung, Verschmutzung der Gewässer durch die Industrie, Verstädterung und nicht nachhaltige Produktionsweisen in Landwirtschaft und Fischerei. Schon jetzt sind wir Zeugen sich erschöpfenden Naturkapitals. Es wird erwartet, dass die Folgen im Lauf der Zeit noch schlimmer werden und zu höheren Ernährungs- und Wasserrisiken, zu steigenden Preisen vieler Rohstoffe und zu vermehrtem Wettbewerb um Land und Wasser führen. Verteilungskämpfe um das Naturkapital werden Konflikte schüren, vielleicht sogar verschärfen, Migration in Gang setzen, Klimaänderungen und Anfälligkeit für Naturkatastrophen wie Überflutungen und Dürren verstärken.

oekosystemleistungen

Unter Versorgungsleistungen verstehen wir die von Ökosystemen bezogenen Produkte; Regulierungsleistungen sind Nutzeffekte aus der Regulierung natürlicher Prozesse; Kulturelle Leistungen sind nicht materielle Nutzeffekte, die wir aus Ökosystemen beziehen; Basisleistungen sind grundlegend für die Erbringung aller anderen Ökosystemleistungen.

Der Ökologische Fussabdruck des Konsums

Seit den frühen 1970er-Jahren ist die Nachfrage nach Ressourcen grösser als das, was die Erde auf nachhaltige Weise reproduzieren kann. 2012 nahm die Menschheit in einem Jahr Ressourcen und Ökosystemleistungen in Anspruch, die einer Biokapazität von 1,6 Erden entsprechen. Die Überbeanspruchung der Biokapazität in solch einem Ausmaß kann nicht von Dauer sein. Nur über eine begrenzte Zeit können wir mehr Bäume fällen, können wir grössere Fischbestände aus den Weltmeeren ziehen als nachwachsen, können wir mehr Kohlenstoff in die Atmosphäre freisetzen als von Wäldern und Meeren absorbiert werden. Die Folgen dieser Überbeanspruchung – des sogenannten Overshoots – sind bereits offensichtlich: Fischbestände kollabieren, Lebensräume und Artenbestände schrumpfen und Kohlenstoff reichert sich in der Atmosphäre an.

Dass die menschliche Übernutzung der Umwelt fatale Konsequenzen hat, ist unbestritten. Vornehmlich sind die Volkswirtschaften gefordert, vernünftige ökonomische Antworten zu finden. Betrachten wir nämlich die Daten zum Ökologischen Fussabdruck der vergangenen vier Jahrzehnte in der Gesamtschau, dann erklären sich temporäre Verringerungen des globalen Ökologischen Fussabdrucks nicht als Effekte politischer Entscheidungen, die Natur zu entlasten. Vielmehr verweisen die Phasen eines geringeren Fussabdrucks auf grössere wirtschaftliche Krisen.

fussabdruck

Kohlenstoff hat den grössten Anteil am Ökologischen Fussabdruck der Menschheit (Anstieg von 43% im Jahr 1961 auf 60% im Jahr 2012). Die grüne Linie illustriert die Fähigkeit, Ressourcen und ökologische Leistungen zu erbringen (d. h. die Biokapazität). Sie zeigt einen leichten Aufwärtstrend, der hauptsächlich mit der höheren Produktivität der Landwirtschaft zusammenhängt. Angaben in globalen Hektar (gha)
Sowohl der Ökologische Fussabdruck als auch die Biokapazität werden in einer Einheit ausgedrückt, die „globaler Hektar“ (gha) genannt wird, wobei 1 gha einem biologisch produktiven Hektar Land mit weltweit durchschnittlicher Produktivität entspricht.

Fussabdruck nach Ländern

Die Grösse des durchschnittlichen Ökologischen Fussabdrucks pro Kopf hängt vom Gesamtkonsum eines Landes ab. Unterschiede ergeben sich auch aus der Nachfrage nach einzelnen Komponenten des Fussabdrucks, also der Menge der konsumierten Waren und Dienstleistungen, der verwendeten Ressourcen und des durch die Produktion der Waren und Dienstleistungen erzeugten Kohlenstoffs.

Länder mit grossem Ökologischen Fussabdruck pro Kopf haben wegen ihres Verbrauchs fossiler Energieträger und des Gebrauchs energieintensiver Güter einen hohen Anteil an Kohlenstoff. Das bedeutet: Die Bewohner dieser Länder übernutzen die Natur überproportional und beanspruchen einen grösseren Anteil der irdischen Ressourcen als ihnen fairerweise zusteht.

Fussabdruck Ländervergleich

Durchschnittlicher Ökologischer Fussabdruck für 2012 in globalen Hektar pro Kopf im jeweiligen Land. Die Ergebnisse für Norwegen und Burundi beziehen sich auf 2011, da für 2012 keine Daten vorliegen (Global Footprint Network, 2016). Angaben in globalen Hektar (gha).

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